FDP.Die Liberalen
Mönchaltorf
Kanton Zürich
16.03.2018

Die Berufsmatura attraktiver gestalten

Berufsbildungspolitisch sind wir im Kanton Zürich insgesamt gut unterwegs. Das zeigt der vor zwei Wochen von Bildungsdirektorin Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP) präsentierte „Bericht zur Entwicklung der Berufsbildung im Kanton Zürich 2008 – 2017“. 91% der Jugendlichen weisen im Alter von 25 Jahren eine abgeschlossene Berufslehre oder einen Gymiabschluss aus. Zwar liegt das Ziel bei 95%. Aber es besteht kaum ein Zweifel daran, dass wir mit den Anstrengungen der Ausbildungsbetriebe, der Schulen und der Politik, die die finanziellen Ressourcen zur Verfügung stellt, diesem Ziel in den nächsten Jahren schrittweise näher kommen werden.

Auch die auf den ersten Blick hohe Zahl der Lehrabbrüche muss relativiert werden. Statistisch werden rund 20% der Lehrverträge vorzeitig aufgelöst, mehr als die Hälfte davon im ersten Lehrjahr. 42% der Jugendlichen, die ausgestiegen sind, beginnen aber unmittelbar an die Lehrvertragsauflösung eine neue Ausbildung. Mit anderen Worten: die Hälfte der Lehrabbrüche ist gewollt und im Hinblick auf eine noch bessere Lehrstelle geplant. Sind die Lernenden in ihrer Ausbildung zufriedener, so sind die Ausbildner motivierter und die Eltern beruhigt.  

Die Anstrengungen zur Stabilisierung der Berufsmaturität (BM) sind zu unterstützen. Lernende in der BM 1, in der die Jugendlichen zeitgleich mit der Berufsausbildung die Berufsmittelschule besuchen, nehmen zahlenmässig ab. Diesem Trend muss Gegensteuer gegeben werden, haben doch die Branchen und die Betriebe ein ureigenes Interesse daran, langfristig nicht nur fachlich den beruflichen Nachwuchs sicherstellen zu können, sondern für zahlreich zu besetzende Funktionen in den Betrieben auch über genügend Kader zu verfügen. Die „BM1 flex“ kommt deshalb zur richtigen Zeit. Sie räumt den Jugendlichen mehr Zeit für die Berufsmaturität ein und kann die doppelte Belastung der anspruchsvollen Berufslehre und der Berufsschule entschärfen und zur Attraktivitätssteigerung der BM1 beitragen. Um diese Flexibilisierung weiterzuentwickeln bedarf es weiterer Anstrengungen und vor allem auch der entsprechenden Positionierung der BMS sowie der notwendigen Ressourcen.

Die Forderung der Gewerkschaften, die Lehraufsicht über die Betriebe zu stärken, zielt daneben. In erster Linie müssen gute Bedingungen bei den Betrieben und ihren Ausbildnern geschaffen werden. Es braucht nicht mehr und strengere Aufsicht über die Betriebe, sondern die Bedürfnisse der ausbildenden Betriebe müssen ernster genommen werden. Dem Trend der Verkomplizierung der Berufsbildung ist Einhalt zu gebieten. Auf Seiten der Lernenden beginnt eine gute Vorbereitung bereits in der Volksschule. Kann der Übertritt von der Volksschule in die Berufsbildung verbessert werden, sind die Lernenden besser vorbereitet und es kommt zu weniger Lehrabbrüchen. Das wiederum entlastet die Ausbildungsbetriebe und das Ausbildungssystem. Zufriedene Jugendliche sind wiederum motivierter, eine Berufsmaturität zu absolvieren. So gewinnen alle zusammen.